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Dr. Carolina Rehrmann

Dissertationsthema: Der Zypernkonflikt. Eine sozialpsychologische Diskursanalyse

Kontakt: Carl-Zeiß-Str. 3 
Raum: 4.46
Tel.: +49 3641 945414E-Mail: carolina.rehrmann@uni-jena.de
Vita / Akademische Laufbahn
  • 05/2017: Einreichung der Promotionsschrift
  • seit 04/2016 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen & Jena Center for Reconcilation (Prof. Leiner)
  • seit 10/2011: Promovendin an der FSU Jena, Promotionsstipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung
  • 10/ 2001 – 07/ 2009: Magistra Artium: Englische, Italienische und Deutsche Philologie an der Universität Kassel,Interdisziplinäre Schwerpunkte: Europawissenschaften, kulturelle Identitäten, ethnische Minderheiten,Magisterarbeit: „Der Zypernkonflikt aktuell. Hintergründe, Chancen, Perspektiven
Lehrveranstaltungen
  • Seminar Versöhnung unteilbarer Konflikte: Israel, Zypern, Nordafrika (WS 2017/18)
  • Seminar Missing Persons in Postconflict Societies: A Comparative Perspective (zusammen mit Sevgül Uludag) (WS 2017/18)
  • HS: Einführung in die Sozialpsychologie aus IB-Perspektive (WS 2016/17)
  • HS: Krieg – Frieden! Mann – Frau? Gender Perspektiven in Friedens- und Konfliktprozessen (SS 2016)
  • PS: Vereint in Vielfalt oder Kampf der Kulturen? Versöhnung in und mit Europa (SS 2016)
  • PS: 26 Jahre nach dem Mauerfall (SS 2015)
  • PS: In der Krise: Die deutsch-griechischen Beziehungen im Spiegel der öffentlichen/medialen Wahrnehmung (WS 14/15)
  • PS: Zypern: Hintergründe und Perspektiven eines nationalistischen Identitätskonflikts (SS 2014)
  • HS: Ideas, Emotions, Identities: Theory of Reconciliation applied to Cyprus and Isreal/Palestine (WS 2014/15)

Der Zypernkonflikt. Eine sozialpsychologische Diskursanalyse

Zypern ist nun seit mehr als 40 Jahren geteilt. Alle diplomatischen Bemühungen der Wiedervereinigung schlugen bisher fehlt. So bleibt die Insel ein völkerrechtliches Kuriosum: Die sog. 1983 ausgerufene „Türkische Republik Nordzypern“ wird nur von der Türkei anerkannt, während die griechischen Zyprioten im Augenblick de-facto die gesamte Republik Zypern repräsentieren. 2004 wurde Zypern Teil der Europäischen Union, die seither vor dem Dilemma steht, ihre Außengrenze zu sichern und zugleich die Annäherung beider Seiten zu unterstützen.

Unter der Oberfläche von scheiternder Diplomatie und seit Jahrzehnten gleich klingender Rhetorik von der kurz bevorstehenden Lösung, liegen die unaufgearbeiteten Wunden von Diskriminierung und Gewalt, Tod und Vertreibung im Zeichen ethno-nationalistischer Polarisierung. Sie begannen schon kurz nachdem Zypern 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wurde und fanden 1974 mit dem türkischen Einmarsch ihren Höhepunkt und Abschluss. Die massiven Menschenrechtsverletzungen – bis vor kurzen galten fast 2000 Zyprioten als vermisst – wurden in den Gemeinschaften weder strafrechtlich noch symbolisch aufgearbeitet. Die institutionellen Erinnerungskulturen beider Seiten pflegen stattdessen ein monolithisches, selektives Narrativ der Konfliktgeschichte, das die eigene Opferrolle in den Vordergrund rückt und Fragen der eigenen Schuld ausspart. Museen und Schulbücher, Feiertage oder Paraden beider Inselteile scheinen sich damit – ähnlich wie im Nahostkonflikt – in ihren Botschaften diametral entgegengesetzt zu sein: Die Schmach des einen, so mag man es pointiert formulieren, ist den anderen Sieg.

Dabei spielt auch die Identifikation mit den Mutterländern eine zentrale Rolle. Im Rekurs auf die vermeintlich primordiale Feindschaft zwischen Griechenland und der Türkei kann der Zypernkonflikt von den politischen Eliten beider Inselteile erfolgreich als Fortsetzung der historischen, expansionistischen Intentionen des jeweiligen Mutterlandes stilisiert werden.

Vor diesem Hintergrund untersucht die Forschungsarbeit die Alltagswirklichkeiten der Zyprioten mit einem Fokus auf den griechischen Zyprioten, ihre Bedürfnisse und Identitäten und die darauf resultierenden Einstellungen zum Konflikt. Das beinhaltet eine profunde sozialpsychologische Analyse der zentralen Akteure und Bestandteile der institutionellen Nationalnarrative und der verbundenen Motivationen ihrer vehementen Verteidigung, sowie die Analyse der wesentlich vielfältigeren und weniger klar konturierten sozialen und individuellen Erinnerungen

Ziel der Forschungsarbeit ist die Erörterung der unterschiedlichen Facetten der zypriotischen Alltagswirklichkeit, die zur Unteilbarkeit und damit zur Perpetuierung des Konfliktzustandes beitragen und aufzuzeigen, dass nur eine Überwindung dieses Alltagsverständnisses Wege der Versöhnung und der Konflikttransformation eröffnen würde. Dabei verbindet die Arbeit unter der Prämisse des Sozialkonstruktivismus theoretische Erkenntnisse über die Mechanismen unteilbarer, ethno-nationalistischer Konflikte, die Rolle institutioneller und sozialer Erinnerung, die Voraussetzungen für Versöhnung mit Konzepten der Konfliktpsychologie, die die Bedeutung von Identitäten, Bedürfnissen, Intergruppenprozessen und Vergangenheitsbewältigung beleuchtet. Sie sollen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven das Wesen der zypriotischen Unteilbarkeit beleuchten, um aufzuzeigen, wie sich unbewältigte Traumata, schwelende Ressentiments, ein zur Normalität gewordener Ausnahmezustand, parteipolitische Interessen, ethnonationalistische Propaganda und machtpolitische Interessen gegenseitig in die Hände spielen und die nachhaltige Annäherung der beiden Seiten – trotz wiederholter Bemühungen – wesentlich behindern.

  • Sozialpsychologie und der Einfluss von Ideen, Emotionen und Identitäten
  • Alternative Ansätze der Konfliktbearbeitung
  • Ethno-Nationalismus und Intractable Conflicts
  • Versöhnungsforschung
  • Südosteuropa, Griechenland, Zypern, Deutschland
Konferenzen
  • Panelistin der internationalen Konferenz “Forum Erinnerung & Bildung. Orte des Terrors und Gedenkens in Griechenland” in Lechovo (Griechenland), 19.-23 Mai 2016
  • Vortrag auf der “7th Midterm Conference on Emotions” in Stockholm, 25.- 27. August 2016, Titel: “With cool head? Emotions in intercommunal conflicts – The Case of Cyprus”